Foto Astrid Lindgrens Näs

<br />Sabina Sakari
<br />Astrid Lindgrens Näs
<br />Astrid Lindgrens Näs
<br />Annelie Karlsson

Der schöne nützliche Garten - für Besucher und Bewunderer

Menschen hatten schon immer Gärten, meistens als Nutzobjekt, aber manchmal auch nur zum Vergnügen. Und nicht zuletzt als Statussymbol, um Macht und Reichtum zur Schau zu stellen.

Europas Machthaber ließen üppige Gärten mit Alleen, Fontänen und gigantischen Pflanzungen anlegen, um ihre Umgebung zu beeindrucken. Man kann sich das französische Versailles nicht ohne den prächtigen Park vorstellen, Sanssouci in Potsdam nicht ohne die prunkvollen Terrassen und das holländische Het Loo nicht ohne seine kilometerlangen Hecken.

In Schweden sind wir etwas zurückhaltender gewesen. Für uns war der Garten ein Ort der Arbeit und des Fleißes, zum Anbauen und Ernten. Vielleicht, weil er als Kohlgarten begann - man baute an, was man in der Küche brauchte, Kohl und Bohnen und ein paar Kräuter.

Um die vorvorige Jahrhundertwende hielten Schrebergärten Einzug in die Stadt. Hier bekamen die Menschen einen Platz, an dem sie Kartoffeln anbauen und Obstbäume pflanzen konnten. Die Idee der Schrebergärten stammte aus Deutschland und Dänemark und wurde in Schweden schnell übernommen. Man annektierte kleine Flecken Erde in den Städten und bepflanzte sie, ganz einfach um zu überleben. Heute sind die Schrebergärten richtige Oasen mitten in der Stadt, perfekt für Spaziergänge, aber auch anregend für alle, die neue Ideen für ihren eigenen Garten oder Balkon suchen.

Nach und nach wurde der Garten selbstverständlich. Als die ersten Eigenheimsiedlungen gebaut wurden, gehörten Obstbäume und Beerensträucher natürlich dazu. In den Jahren des schwedischen „Volksheims“, als die Menschen immer mehr Urlaub bekamen, führten Sonntagsausflüge oft in die Norrviken-Gärten bei Båstad und zum Blumengarten in Eringsboda in Blekinge.

In Helsingborg machte Gustav VI. Adolf gemeinsam mit seiner Gattin, der englischen Kronprinzessin Margaret, den Park Sofiero bekannt. Sie ließen designte Blumenrabatten und üppige Rhododendron-Pflanzungen anlegen. In den 1990er Jahren entstand hier ein Gartenfest, das viele Nachfolger fand.

Heute versuchen die Städte in Schweden, einander bei der Umgestaltung ihrer alten Stadtparks zu übertreffen. Allen voran die Stadt Enköping, die als erste den Holländer Piet Oudolf damit beauftragte, wunderschöne mehrjährige Pflanzungen mitten in der Stadt zu entwerfen. Enköping ist weltberühmt geworden und hat Nachahmer unter anderem in Sölvesborg und Skärholmen gefunden. Auch die Kulturhauptstadt 2014, Umeå, bekam einen neuen Park. Entworfen hat ihn ein Sohn der Stadt, Ulf Nordfjell. Gärten machen Unterschied und fallen ins Gewicht.

Heutzutage öffnen auch immer mehr Menschen ihre privaten Gärten. In Schweden gibt es jedes zweite Jahr einen Tag der „Tausend Gärten“. An diesem Tag sind die unterschiedlichsten Gärten zu besichtigen, und überall im Land finden Veranstaltungen statt, als Anregung, die eigene grüne Welt vorzuzeigen. Das inspiriert und weckt Lust. „Ich mache es so, kommt herein und seht es Euch an!“ Am letzten Tag der „Tausend Gärten“ nahmen fast 700 Gärten teil. Die meisten geöffneten Privatgärten findet man in Schonen und Småland.

Besonders freudig begrüßt werden natürlich neue öffentliche Gartenanlagen. Im Sommer 2014 wurde der Garten von Karin und Carl Larsson in Sundborn in Dalarna im neuen Gewand eröffnet. Man hat den Garten in seinem Zustand von vor 100 Jahren wiederhergestellt und mit zeittypischen Pflanzen gestaltet. Im Juni desselben Jahres weihte die damalige Kulturministerin den neuen Garten in Astrid Lindgrens Näs ein, einen einladenden Ort der Kultur und Debatte, des Ernstes und Humors. Der Garten ist ein bedeutender Teil unseres Kulturerbes, er beleuchtet die Geschichte ebenso wie den Menschen. Der Garten spielt eine wichtige Rolle, und alle haben daran teil. Als Tourist können Sie an jedem Ort in Schweden einen sehenswerten Garten finden. Vielleicht eine private Anlage oder eine Schreberkolonie, einen Stadtpark, Friedhof, eine Baumgruppe oder einfach eine Grünfläche, die nach Blumen duftet und zum Verweilen einlädt.

Gärten sind zur Volksbewegung geworden, in gewisser Weise gehören sie auch zur Volksbildung. Durch andere lernen wir mehr über unseren eigenen grünen Platz in dieser Welt. Dass der Garten ein Ort der Stille und Entspannung ist, wissen wir seit langem. Das Tolle ist, dass es ihn heute in so vielen Formen und an so vielen Orten gibt. Und ständig kommen neue Gärten hinzu. Dem Mensch und der Umwelt zuliebe.

 

Gunnel Carlson

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